Waldorfpädagogik

nach Rudolf Steiner

Fach: Heilpädagogik

Dozentin: Frau Kobold

Ausgearbeitet: von Tobias Emmel

Januar 1998

Rudolf Steiner

Rudolf Steiner der Begründer der Waldorfpädagogik wurde am 27. Februar 1861 in Kraljevic´ an der österreichisch – ungarischen Grenze Geboren und starb 1925. Sein Vater war Eisenbahnbeamter und so wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Er setzte sich schon früh mit den Eindrücken und den Erfahrungen, die ihn auf die Existenz einer Welt hinter den materiellen Dingen wies, auseinander. Neben seinen naturwissenschaftlichen Studien - Mathematik, Biologie, Chemie, Physik – beschäftigte er sich unter anderen mit den naturwissenschaftlichen Schriften Goethes, in denen er eine mögliche Brücke zwischen Natur und Geisteswissenschaft sah, aber auch mit den philosophischen Schriften Haeckels und Nietzsches.

Ab 1900 lebte Steiner in Berlin als Schriftsteller. In dieser Zeit kam er mit der Theosophischen Gesellschaft in Berührung. Dort fühlte er sich das erste mal richtig verstanden und übernahm 1902 für ein Jahrzehnt das Amt des Generalsekretärs der "Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft".

1904 legte er seine grundlegenden Gedanken zur Anthroposophie in der »Theosophie« nieder.

In rascher Folge erschienen jetzt die grundlegenden anthroposophischen Schriften: "Das Christentum als mystische Tatsache Mysterien des Altertums" (1902), "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" (in Aufsätzen ab 1902), "Die Geheimwissenschaft im Umriß" (1910), "Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissen schaf- ten" (1910).

1913 kam es zum Bruch mit der Theosophischen Gesellschaft und zur Gründung der Anthroposphischen Gesellschaft.

1918, zu Beginn der Revolution in Deutschland, hielt Rudolf Steiner vor der Arbeiterschaft Vorträge über die »Kernpunkte der sozialen Frage«. Der »Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus« hatte zum Ziel: Freiheit im Geistleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben.

Für Steiner war die soziale Frage untrennbar mit der Pädagogik verbunden. Emil Molt, Chef der Waldorf – Astoria - Zigarettenfabrik in Stuttgart, deren Arbeiter Steiner mit seinen Vorträgen über soziale und pädagogische Themen begeistert hatte, unterstützte spontan die Gründung einer eigenen Arbeiterschule. So entstand 1919 die erste Waldorfschule mit eigenem Lehrerseminar.

Nach ersten Versuchen in München baute Steiner ab 1913 als Zentrum der anthroposophischen Bewegung eine freie Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach bei Basel, daß Goetheanum aus Holz.

Er entwarf bis ins Detail die Architektur dieses Hauses, modellierte und schnitzte, skizzierte die Deckengemälde und Fenstergravierungen und leitete eine Schar von Helfern an, die den Bau auch noch während des ersten Weltkrieges weiterführten. Am Silvesterabend 1922 ist das Goetheanum dann einer Brandstiftung zum Opfer gefallen.

Nach seinem Tod 1925 entstand das zweite Goetheanum, aber aus Beton.

Caroline von Heydebrand gründete nach dem Tod von Rudolf Steiner die ersten Waldorfkindergärten, ebenfalls mit eigener Ausbildungsstätte.

Die Wichtigsten pädagogischen Prinzipien

Rudolf Steiners

Die anthroposophische Geisteswissenschaft sieht den Menschen als geistig – seelisches Wesen ( von ihm als Seelengeist beziehungsweise als Geistwesen bezeichnet) an, das bis in hohe Alter Lernprozesse machen kann und veränderbar ist.

Der Mensch entwickelt sich in den verschiedenen Lebensaltern in einer verschieden Art. Die Anthroposophie spricht hier von den "drei Geburten des Menschen".

Wenn man das neugeborene Menschenwesen als eine kontinuierliche Individualität begreift, die sich aus der geistigen Welt heraus bewußt bei einem bestimmten Elternpaar und in bestimmte Schicksalszusammenhänge hinein inkarniert, kann man es unmöglich als das "biologische Mängelwesen" sehen, als das es die moderne Naturwissenschaft gerne schildert. Rudolf Steiner beschreibt in seinen Vorträgen an Lehrer in der ersten Waldorfschule in Stuttgart, wie die geistigen Wesensglider des Menschen aus dem Vorgeburtlichen sich sozusagen mit der Leiblichkeit umkleidet.

Steiner sagt: " Die Aufgabe des Erziehers und des Unterrichters ist das Zusammenstimmen dieser zwei Glieder."

Ein Kind , welches noch sehr durch die Erlebnisse der, wie es Steiner bezeichnet aus der »jenseitigen Welt« geprägt sind, so kann ein Erwachsener, ein sensibler unvoreingenommener Beobachter, dem Kind nur ehrfürchtig und staunend gegenüberstehen. Dieser Beobachter wird dem Kind nicht eine Vorstellungen überstülpen, sondern die wahre Natur, das Mitgebrachte, des Kindes erlauschen.

Der Mensch entwickelt sich, so die Anthroposophen, in den verschiedenen Lebensaltern in einer verschieden Art. Die Athroposophie spricht von "drei Geburten des Menschen". Latent sind diese Entwicklungsstufen zwar schon ab der Geburt vorhanden, aber erst in einem bestimmten Lebensalter vorwiegend von außen zugänglich. Die Anthroposophen teilen die drei Stufen auch ein, in verschiede Leiber:

1. Der physische Leib

2. Der Äterleib

3. Der Astralleib

4. Das ICH

Das erste Jahrsiebt beginnt mit der Geburt des physischen Laibes. Zwischen der ersten und der zweiten Stufe, sie beginnt mit dem Zahnwechsel ca. im 7. Lebensjahr, ist die Entwicklung gekennzeichnet durch das strukturelle Wachstum der physischen Organe. Sie müssen sich in dieser Zeit in gewisse Formen bringen, ihre Proportionalverhältnisse müssen bestimmte Richtungen und Tendenzen erhalten, denn das spätere quantitative Wachstum erfolgt aufgrund der Formen, die sich in dieser ersten Stufe herausgebildet haben.

Das kleine Kind ist ein ganz aufsaugendes, nachahmendes Sinneswesen. So, wie in den neun Monaten der Schwangerschaft der physische Leib in der Mutterhülle geschützt war, ist in der Phase der ätherische Leib noch umhüllt, geschützt.

Durch die Nachahmung von Vorbildern, bekommt in dieser Zeit das Kind ein Verhältnis zu seiner Umgebung. Dazu gehört nicht die materielle Umgebung sondern alles was von seinen Sinnen aufgenommen werden kann. Was in der physischen Umgebung vorgeht, ahmt das Kind nach, und im Nachahmen strukturieren und proportionieren sich die physischen Organe; sie »bilden« in ihren Strukturverhältnissen und in ihrer Leistungsfähigkeit in gewisser Weise ihre Umwelt ab. Steiner sieht in dieser Abbildung der Umwelt den Lebensraum in dem das Kind aufwächst als so wichtig an, daß er die Meinung vertritt, der Raum in dem sich das Kind aufhält, wohnt, welches er nachahmt, auch in gewisser Weise Organisch sein soll. Er sollte z.B. ohne Ecken sein, runde organische Formen sollen das Bild bestimmen.

In der Umgebung des Kindes soll nichts geschehen, was ihm hinterher verboten werden müßte, da wichtige Kräfte, wie zum Beispiel die Freude, an der Entwicklung der physischen Organe mitwirken.

Ab dem zweiten Jahrsiebt, auf der zweiten Stufe liegt der vorrangige Kontakt zwischen dem Lehrenden und dem Lernenden auf der Seelischen Ebene der Gefühle und Empfindungen. Was jetzt vermittelt werden soll, bedarf eine stabilen und differenzierten seelischen Kommunikation. Erst jetzt kann man erzieherisch auf das Kind einwirken.

An die Stelle von Nachahmung tritt nun Autorität. Möglichst bildhaft und künstlerisch wird dem Kind der Stoff nahe gebracht. Es ist die Zeitepoche, in der sich Neigungen, Gewohnheiten, Gewissen, Charakter, Gedächtnis und Temperament herausbilden und entwickeln.

Methodisch wirkt man durch Bilder, durch Gleichnisse und Beispiele, durch geregeltes Lenken der Phantasie.

Die Begriffe »Nachfolge« und »Autorität« sind heute im erzieherischen Bereich mißverständlich geworden. Was Rudolf Steiner damit meinte war, das es in erster Linie darum geht, zu zeigen, daß Unterricht und Erziehung in dieser Lebensepoche über die seelische Ebene und Gefühle vermittelt werden.

Das schlimmste Verhältnis zwischen Lehrendem und Lernendem ist die Gleichgültigkeit und die Langeweile. Der Schüler muß durch die Persönlichkeit des Lehrers, aber auch durch die geschichtlichen Persönlichkeiten, seelisch so tangiert werden, daß Bewunderung und Abscheu, Spannung und Befriedigung, Sympathie und Antipathie gewissermaßen Instrumente werden, mit deren Hilfe ein Schüler lernt.

Mit dem dritten Jahrsiebt, beginnt die Entwicklung der menschlichen Seele. Man kann von da an auf Autorität verzichten. Das Kind will einsehen und begreifen. Dieses Jahrsiebt ist bestimmt von der Pubertät, die sich physisch durch erste Menstruation bei den Mädchen, bzw. Stimmbruch beim Jungen zeigt. Viel bedeutsamer sind aber die astralischen »Geburtswehen«, die sich im Himmelhochjauchzend/Zu-Tode-Betrübt zeigt, im Hin-und her Gerissensein zwischen Omnipotenzphantasien (Allmachtsphantasien) und der Unzufriedenheit mit sich und der Welt. Jetzt muß sich das, was das Kind von seinen Vorbildern ( Menschen seiner Umgebung und Persönlichkeiten der Geschichte) aufgenommen hat, in eigenem Urteil und selbstbewußten Handeln bewähren.

Der Wechselbezug liegt hier also zwischen dem Lehrenden und dem Lernenden auf der Ebene des denkenden Erkennens und selbständigen Urteilens. Sehr deutlich weist Steiner auf die Gefahren hin, die ein zu frühes aufrufen von eigener Urteilskraft bewirken.

Steiner sagt an dieser Stelle,

Zitat : » Mit der Geschlechtsreife ist die Zeit gekommen, in der der Mensch auch dazu reif ist, sich über Dinge, die er vorher gelernt hat, ein eigenes Urteil zu bilden. Man kann einem Mensch nichts schlimmeres zufügen, als wenn man zu früh sein eigenes Urteil wachruft.

Erst dann kann man urteilen, wenn man sich erst Stoff zum Vergleichen aufgespeichert hat. Bildet man vorher selbständige Urteile, so muß diesen die Grundlage fehlen. .....

Um reif zum Denken zu sein muß man sich die Achtung vor dem angeeignet haben, was andere Gedacht haben. ...... Würde dieser Erziehungsgrundsatz befolgt, man müßte es nicht erleben, daß Menschen zu jung sich reif dünken zum Urteilen und sich dadurch die Möglichkeit nehmen, allseits und unbefangen das Leben auf sich wirken zu lassen..... Denn hat man einmal über eine Sache ein Urteil gefällt, so wird man durch dieses immer beeinflußt.

... Deshalb sollte jeder junge Mensch vor dem angedeutete Lebensalter mit allen Theorien über die Dinge verschont werden, und der Hauptwert darauf gelegt werden, daß er sich den Erlebnissen des Daseins gegenüberstellt, um sie in seine Seele aufzunehmen. Man kann gewiß den heranwachsenden Menschen auch mit dem bekannt machen, was Menschen über dies oder jenes gedacht haben, aber man soll vermeiden, daß er sich für Ansichten durch ein verfrühte Urteil engagiert. Er soll auch die Meinungen mit dem Gefühle aufnehmen, er soll, ohne gleich für das ein oder das andere sich zu entscheiden und Partei ergreifen zu müssen, hören können: der hat das gesagt, der andere jenes....« Zitate ende.

Die Geburt des "ICH" kennzeichnet den Eintritt ins vierte Jahrsiebt. Der Junge Mensch ist nun an Leib und Seele gewachsen, hat Phantasie und Urteil entwickelt und kann – auch wenn die heute juristisch wesentlich früher geschieht – erst jetzt im rechten Sinne als »erwachsen« bezeichnet werden. Die Führung durch das mitgebrachte Karma wird nun abgelöst von der eigen »Regie«. Und wenn die Erziehung Erfolg hatte, so erweist sich dies weniger an rein äußerer beruflicher Karriere, sondern viel mehr an dem Eins- Werden mit dem mitgebrachten Lebensplan, daran, daß der Mensch in sich und in der Welt zu Hause ist.

Auch das weitere Erwachsenenleben teilt Rudolf Steiner in Jahrsiebte ein. Die geistigen Wesensglieder unter Führung des ICH (Geistselbst, Lebensgeist, Geistmensch) arbeiten in der nächsten Phase weiter an der Vervollkommnung des Menschen, wobei sich die Jahrsiebte ab der Lebensmitte spiegeln, das heißt die Fähigkeiten, aber auch die Schäden aus den ersten Jahrsiebten wirken sich in späteren Phasen aufbauend oder zerstörerisch aus.

Heilpädagogik auf anthroposophischer Grundlage

In den geisteswissenschaftlichen Grundlagen von Steiner ist für die Heilpädagogik unter anderen das Gegenüberstellen des weiten Feldes der Menschenerkenntnis, welche über das irdische Leben hinausgeht und dem engeren Feld der Menschenkunde von hoher Wichtigkeit. Die Menschenkunde hat das Zusammenwirken und die Entwicklung der geistigen, seelischen und leiblichen Funktionen des Erdenleben zum Inhalt. Die Menschenerkenntnis bezieht sich auf die Grundlagen für die Haltung und die Einstellung gegenüber dem seelenpflege-bedürftigen Kind und seinem Schicksal. Aus der Menschenkunde sollen die diagnostischen Einblicke in die verschiedenen Störungsmöglichkeiten kommen und die, sich dadurch ergebenden Ansatzpunkte, für die heilpädagogischen und anderen therapeutischen Maßnahmen aufzeigen.

In den Bereichen Denken, Fühlen und Wollen, die das menschliche Wesen, so Steiner, ausmachen, bedarf es ein Gleichgewicht um die freie Entfaltung des ICH zu ermöglichen. Aus diesen Fähigkeiten entsteht die Individualität des Menschen mit der er sich zuerkennen gibt und sich seinen Mitmenschen gegenüber offenbart. Dabei hängt der Wille mit dem Körperlichen (Gliedmaßen), das Fühlen mit dem Seelischen (Herz, Brust) und das Denken mit dem Geistigen (Kopf) zusammen. Der Mensch wird somit als dreigliedriger Organismus verstanden.

Gestalt Physischer Leib Seele Geist
Dreigleiderung Physiologie Eigenschaft Bewußtsein
Kopf Nerven-Sinnessystem Denken Bewußt
Brust Rhythmisches System

Von Herz und Lunge

Fühlen Halb-

bewußt

Unterleib Stoffwechsel-

Gleidmaßensystem

Wollen Unbewußt

 

 

 

Gemeinsam ist dieser Sinnesgruppe, dass sie den zwischenmenschlichen Kontakt ermöglicht und dabei einen Intellektuellen Charakter hat. Wobei die drei letzten Sinne rein menschliche Sinne sind, die keine Organe mit bestimmtem Sitz haben und sich unbewusst im Kind entwickeln. Sie werden »Erkenntnissinne« genannt, da sie ein Erwachen im Reich der Gedanken ermöglichen und damit Verbindung für das gesamte kulturelle Wissen und das ganze soziale Verhalten in der menschlichen Gesellschaft sind. (Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderung A..D. Fröhlich)

Die anthroposophische Heilpädagogik geht davon aus, der Mensch ist ein Wesen von Gleichgewichtswirkungen, und seine körperliche wie seelische Gesundheit liegt im ausbalancieren von gegensätzlichen Kräften. In der anthroposophischen Geisteswissenschaft, und somit auch in der anthroposophische Heilpädagogik, geht man davon aus, daß das Geistwesen sich im Leiblichen, bei der Geburt, inkarniert (Reinkarnation). Dies bedeutet, dass die Seele bereits Vorhanden ist und der Leib sich um diese Seele herum bildet.

Für das zusammenwirken von Leib und Seele ist unser Organismus polar aufgebaut. Der Kopfpol und der Stoffwechselpol sind entgegengesetzte Systeme, die durch das rhythmische System verbunden sind. Nichts geschieht im oberen Mensch, dass nicht seinen Gegeprozess im unteren Menschen hat und umgekehrt. Zum unteren Pol gehört der Aufbau mit seien lebensfördernden Funktionen, die unterhalb des Bewusstseins verlaufen, zum Kopfpol mit seiner Wachheit und der geringen Vitalisierung der Abbau. Im ständigen Ineinanderspiel gibt es jeweils eine Resonanz auf die unteren Kräfte im oberen und die oberen im unteren Pol, die durch die rhythmischen Prozesse in der Mitte im Gleichgewicht gehalten werden. Der Herzschlag mit Systole und Diastole, die Ein- und Ausatmung, Wachen und Schlafen, repräsentieren immerwährend den Wechsel und den Ausgleich. In der Umkehrung des Aufbaues in den Abbau kann sich unser bewusstes Seelenleben entfalten.

Geht man davon aus das der Mensch ein Wesen von Gleichgewichtswirkungen ist, so ergibt sich daraus, das die körperliche wie seelische Gesundheit im Ausbalancieren von gegensätzlichen Kräften zu sehen ist. Daraus resultiert, daß Krankheiten erhebliche Störungen im Gleichgewicht sind. Da es nach zwei Richtungen aus der Mittellage kommen kann, lassen sich immer entgegengesetzte Krankheitspaare finden. Das Durchschauen gegenüberliegender Erkrankungsmöglichkeiten gehört zu den Grundlagen anthroposophisch orientierter Medizin.

Der Therapeutische Ansatz ist in der anthroposophischen Heilpädagogik im Suchen nach einer Gegenwirkung welche die krankhafte Einseitigkeit beeinflusst. Sie sollen nicht harmonisierend wirken sondern selbst einseitig sein, und ist für gesunde Kinder nicht geeignet. So wird zum Beispiel gezeigt, wie man durch schockartig wirkenden Tempowechsel im Unterricht einen ausfließenden Astralleib kräftigen kann, wie man durch das lange rhythmische Wiederholen eines Spruches den Kindern hilft, die ihre Vorstellung nicht heraufholen (in Erinnerung rufen) können.

Die gezielten Behandlungen werden ergänzt durch harmonisierende therapeutische Maßnahmen, welche die heilenden Kräfte aus der Mitte heraus stärken. In den Schriften über die Heilpädagogik finden wir den Hinweis, dass fast alle Entwicklungsstörungen ganz allgemein eine Schwäche des Ätherleibs zugrunde liegt. Steiner spricht von schlechten Ätherleibern. Der Ätherleib ist aber Wesensglied der heilenden Kräfte im Mensch. Während Ich und Astralleib sich in der wachen Seelenbestädigung durch den Abbau entfalten können und an unseren Leibeskräften zehren, müssen die Stoffe unseres physischen Leibes lebendig gehalten werden. Die Belebung und den Wiederaufbau besorgt der Ätherleib, darüber hinaus vermag er aus seinen Kräften krankhafte Prozesse wieder auszugleichen und selbst dauernde Mängel in der physischen Organisation durch besondere Aktivität zu kompensieren. In der Kindheit sind diese Kräfte sehr reich und nehmen im Laufe des Lebens ab. Hier ist vor allem die Tatsache interessant, dass selbst Mängel des physische Gehirns durch ätherische Aktivierung in der Kindheit überwunden werden können, vor allem durch geeignete Erziehung und Übung, unterstützt durch Medikamente und andere Behandlungen.

Es gehört zu den fruchtbarsten Erkenntnissen, die der Geisteswissenschaft zu verdanken ist, dass es einen Ätherleib gibt, in dem ungeahnte Heilungsmöglichkeiten liegen, wenn es gelingt, ihn seinem Wesen nach zu behandeln.

Die ätherisch Kräfte haben eine enge Beziehung zum rhythmischen System, welches als leibliche Grundlage für das Fühlen die innerlichste Region des Menschen ist und durch seine Vermittlung zwischen dem Kopf mit dem Nerven-Sinnens-System und den Gliedern mit dem Stoffwechsel-Gleidmaßen-System vom Zentrum her ausgleichen wird. Deshalb wirkt alles, was wir durch den Rhythmus bewirken, stärkend auf den Ätherleib. Rhythmen und die Berücksichtigung von rhythmischen Gesetzmäßigkeiten in der Behandlung sind Kernpunkt in der anthroposophischen Methode.(Helmut Klimm »Heilpädagogik auf anthroposophischer Grundlage«)

Literaturangaben:

Peter Schneider Einführung in die Waldorfpädagogik

Johannes Kirsch Erziehung einmal anders

Rudolf Steiner Aufsätze

Helmut Klimm Heilpädagogik auf anthroposophischer Grundlage

Gabi Faupel Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderungen A. D. Fröhlich

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