Leitlinien

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Leitlinien für die Pädagogik und Therapie (Theunissen / Lingg)

Interdisziplinäres zusammenarbeiten aller Professionen als Grundlage pädagogischen und therapeutischen Handelns.

Erwachsenengemäße Orientierung / Individualisierung

  • Behinderte Erwachsene auch als solche behandeln
  • Nicht auf eine "unendliche Kindheit" festnageln
  • Spezifische Wünsche respektieren
  • Erwachsenenalter als Entwicklungsperiode der aktiven Gestaltung des eigenen Lebens und des Lebens anderer" auffassen. Auf dem Hintergrund der Individualisierung bedeutet dies, von der Person, mit ihr und für sie ein Konzept zu entwickeln. Alle drei Aspekte sind miteinander zu verknüpfen und dialektisch (für und wieder) auszubalancieren

Subjektzentrierung

  • Den geistig behinderten Menschen nicht als Objekt für pädagogische Bzw. therapeutische Arbeit degradieren.
  • Geistig behinderten Menschen in seiner Subjektivität berücksichtigen.
  • Therapeutische Arbeit muss an die spezifischen Bedürfnisse, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten ansetzten.
  • Das Feststellen von Defiziten, Auffälligkeiten oder Mängeln reicht nicht aus.
  • Die subjektive Befindlichkeit, die emotionale und soziale Bedürfnislage als Grundlage zum besseren Verstehen eines geistig behinderten Menschen.
  • Es gibt keine allgemein gültigen Rezepte im Umgang mit behinderten Menschen, sondern sie müssen individuell erstellt werden.

Ich - Du - Bezug / Kommunikatives Verhältnis

  • Pädagogische / therapeutische Arbeit muss auf Partnerschaftlichkeit ausgerichtet sein.
  • Bezugsbetreuung basiere auf gegenseitige Sympathie, welche aber nicht aufgezwungen werden kann Persönliche Zuneigung ist keine Methode
  • Ich - Du - Beziehung verlangt vom Pädagogen / Therapeuten Empathie, Geduld und Ausgeglichenheit
  • Ziel der päd. Arbeit ist es mit dem behinderten Menschen in eine partnerschaftliche, kommunikativer Beziehung zu treten und diese zu Entfaltung zu bringen.

Emanzipatorisches Prinzip / Autonomie und Empowerment

  • Pädagogik hat ihren Sinn darin sich überflüssig zu machen
  • Geistig behinderten Menschen haben das Recht aus dem Status des Zöglings entlassen zu werden.
  • Ziele der Behindertenpädagogik ist es, zu einer angemessenen individuellen Selbständigkeit hinführen
  • Individuelle und gesellschaftliche Emanzipation sind untrennbar miteinander verbunden
  • Jeder behinderten Menschen hat ein Recht auf :

Kontakte im sozialen Umfeld

Teilnahme an Öffentlichkeit

Kulturelle Partizipation è zusammenleben mit Nichtbehinderten

  • Geistig behinderten Menschen sollen befähigt und in die Lage versetzt werden, ihre Interessen selbst durchzusetzen, sich zu organisieren , ihre Lebensverhältnisse individuell und gemeinsam zu kontrollieren und eigenständig-selbstverantwortlich zu bewältigen.
  • Der Begriff Empowerment (Ermächtigung; Selbst-Bemächtigung) wird in diesem Zusammenhang ebenfalls benutzt

 

Assistenz und Kooperation

  • Die Gleichberechtigung der behinderten Menschen bedarf päd. Mitwirkung und Lebensbegleidung.
  • Ein behinderter Erwachsener kann zwar meist nicht alleine Leben, dennoch ist es möglich seine Autonomie zu erhöhen.
  • Es bedarf meist nur partielle Unterstützung, keine totale rundum Betreuung.
  • Der Begriff der Betreuung soll durch den der Assistenz abgelöst werden.
  • Es soll nicht mehr von pädagogische Betreuung die Rede sein, sondern von Alltagsbegleitung.

Ganzheitlich-integratives Prinzip / Ganzheitlichkeit

 

  • Der Mensch ist die Einheit von Leib, Seele und Geist, ein soziales Wesen im ökologischen Umfeld
  • Behindertenpädagogische Arbeit muss multiperspektivisch angelegt sein è die Arbeit muss den individuellen (Lern) Bedürfnissen u. Entwicklungsmöglichkeiten entsprechen. Ebenso wie die Ganzheitlichkeit des Individuums in sozialer, kultureller und ökologischer Hinsicht
  • Integration verschiedener Arbeitsmethoden:

Basale Kommunikation

Spieltherapie

Wahrnehmungsförderung

Verhaltensmodifikationen

Rhythmik

Motopädagogik

Sportaktivitäten

Kunsttherapie

  • Die ganzheitlichen Ausrichtung auf den geistig behinderten Menschen muss mit dem Lebensumfeld zusammenpassen

 

Prinzip der Entwicklungsgemäßheit

  • Alle Lernprozesse, Betreuungs- und Fördersituationen haben sich an der Gesetzmäßigkeit der menschlichen Entwicklung zu orientieren
  • Alle genutzten Materialien sollen zum eigenständigen Handeln anregen
  • Angebote sollten nicht zu neu und nicht zu bekannt sein, um Über- bzw. Unterforderung zu vermeiden
  • Körperorientierter Ansatz soll nicht zum Selbstzweck werden sondern er muss den Weg zu mehr Autonomie und verbesserter Handlungskompetenz beinhalten
  • Angebote und die Gestaltung des Lebensalltags müssen derart "passend" sein, dass sich der geistig behinderte Mensch mit seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen wieder finden kann.

Lebensnähe und handelndes Lernen / Lebensweltorientierung

  • Aktive Teilnahme der geistig behinderten Menschen im Alltag
  • Selbstständig sein in Lebensrelevanten Bereichen
  • Alltägliche Hausarbeit bietet ebenso viele Handlungsfelder wie die Lebenswirklichkeit außerhalb der Gruppe (WFB)
  • Leitprinzipien wie Normalisierung, Integration und Selbstbestimmung hängen immer vom Verhalten der sozialen Umwelt ab.
  • Die Soziale Umwelt muss sich immer (mit-)verändern, wenn psychosoziale Auffälligkeiten abgebaut bzw. aufgelöst werden sollen.

 

"Sein" -lassen und Vertrauen in die Ressourcen

  • der Förderbedarf der geistig behinderten Menschen ist nicht Grundlage für ein immerwährendes überschütten mit Lern- und Trainingsprogrammen
  • nicht in eine ständig Schülerrolle pressen
  • Erwachsensein respektieren auch wenn die ein herausnehmen aus dem schützenden Umfeld bedeutet
  • Recht auf ein Eigenleben, Selbstdarstellung und Lebenserfülltheit
  • Es muss Raum bleiben für ein zweckfreies und selbstbestimmtes Leben
  • Es ist neben der Wertschätzung und Achtung der Person sowie der Akzeptanz des "So-Seins" des behinderten Menschen ein Vertrauen in seine Ressourcen notwendig.
  • Zutrauen stärkt das Selbstvertrauen und befördert Autonomie und Handlungskompetenz