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Sinnesmodalitäten. Entwicklung, Störungen

  

 

  

WAHRNEHMUNG

 

Sinnesmodalitäten. Entwicklung, Störungen

 

1.         Definition:

Nach A. FRÖHLICH ist Wahrnehmung die sinngebende Verarbeitung von Reizen. Unter Reizen ist dabei jeder Impuls der Sinnesorgane an das Zentrale Nervensystem (ZNS ) zu verstehen.

M. PFLUGER-JAKOB bezeichnet Wahrnehmung als aktiven Verarbeitungsprozess von inneren und äußeren Reizen. Dieser Verarbeitungsprozess beinhaltet:

·   die Informationsaufnahme durch die Sinnesorgane, was auch als Rezeption bezeichnet wird

·   die lnformationsweiterleitung über Nervenbahnen. die zum ZNS führen (afferente Bahnen)

·   die lnformationsverarbeitung nach Eintreffen der Signale im ZNS ( Perzeption)

·   die Informationsabgabe durch a) Überführen von Signalen in die Motorik über die vom ZNS wegführenden Nervenbahnen efferente Bahnen ) oder b) Speicherung der Information ohne erkennbare Reaktion als Erfahrung oder im Gedächtnis

·   die Rückmeldung an das ZNS über die afferenten Nervenbahnen

 

2.         Die Bedeutung der Wahrnehmung für den Menschen

Wahrnehmung ist. wie im vorigen Abschnitt verdeutlicht wurde, ein Verarbeitungsprozess. an dem in erster Linie die Sinne und die Motorik beteiligt sind, die durch das ZNS gesteuert und koordiniert werden. Wahrnehmung kann daher auch als sensomotorische Verarbeitung bezeichnet werden. (sensomotorische Entwicklung)

Sensomotorik und Wahrnehmung bilden die Grundlage für kognitive Leistungen.

 

3.         Die Verarbeitung der Sinne durch das ZNS

Die Reize werden ins ZNS weitergeleitet und überfluten das Gehirn förmlich. Damit diese Reize sinnvoll verwendet werden, d.h., damit ein Mensch sich z.B. sinnvoll bewegen kann, müssen diese Reize geordnet werden.

Dieser Vorgang, der den Hauptteil der Wahrnehmungsverarbeitung ausmacht, wird nach J. AYRES als SENSORISCHE INTEGRATION bezeichnet. 

Die sensorische Integration ist der Prozess des Ordnens und Verarbeitens sinnlicher Eindrücke(sensorischer Inputs). So daß das Gehirn eine brauchbare Körperreaktion und ebenso sinnvolle Wahrnehmungen, Gefühlsreaktionen und Gedanken erzeugen Kann.

Die sensorische Integration sortiert. vereint und ordnet alle sinnlichen Eindrücke des Individuums. Prinzipiell spielt sich die sensorische Integration auf allen Ebenen des Gehirns ab. Die Strukturen des Hirnstamms spielen dabei eine wesentliche Rolle, da hier sehr viele Nervenbahnen miteinander verknüpft werden, d.h. eine erste Ordnung und Verarbeitung der Informationen findet hier statt.

 

4.         Die Sinnesmodalitäten

Die Sinnesmodalitäten bilden den Grundstock für die Wahrnehmungsentwicklung. Eine

entscheidende Rolle spielen der Gleichgewichtssinn. der Hautsinn. die Tiefensensibilität. der

Gesichtssinn und der Gehörsinn.

 

4.1       Der Gleichgewichtssinn (vestibuläres System)

Der Gleichgewichtssinn befindet sich im Innenohr, in direkter Nachbarschaft zum akustischen

System.

Man unterscheidet bei dem vestibulären System zwischen dem Lage und Bewegungssinn

und dem Drehbewegungssinn.

Der Lage- und Bewegungssinn reagiert auf lineare Bewegungen und regelt das

Gleichgewicht. wenn man z.B. in einem fahrenden Bus steht.

Der Drehbewegungssinn reagiert auf Kopfbewegungen (Winkelbeschleunigungen) und regelt die Bewegungskoordination, indem bei Drehungen des Kopfes und des Körpers die Außenwelt als statisch empfunden wird.

Entwicklungsgeschichtlich stellt das vestibuläre System das älteste Sinnessystem dar.

Beim Menschen ist es ab der 20. Schwangerschaftswoche funktionsfähig. Es stellt eine Art

Grundsinn dar und hat Einfluss auf viele Körperfunktionen.

Es beeinflusst:

§         Den Muskeltonus und damit die Bewegung

Gleichgewichtsstimulationen tragen zu schneller und leichter ablaufenden, willkürlichen Bewegungen bei

 

§         Die optische Wahrnehmungsfähigkeit:

das Gleichgewichtssystem wirkt direkt auf die äußere Augenmuskulatur. so werden z.B. optische   Bilder doppelt wahrgenommen. wenn z.B. Alkohol das Gleichgewichtssystem stört

 

§         Das Körperbewusstsein:

das Körperbewusstsein entwickelt sich über Bewegungen und deren Interpretationen, was indirekt auch vom Gleichgewichtssystem beeinflusst wird

 

§         Die Emotionen:

das vestibuläre System gibt ein primäres Sicherheitsgefühl bezogen auf die Stabilität des Gleichgewichts im Verhältnis zur Erdoberfläche. Durch ein stabiles Gleichgewicht bekommt ein Kind auch eine gewisse emotionale Sicherheit.

Gleichförmige Bewegungen beruhigen den Organismus. Ungleichförmige Bewegungen wirken anregend, aktivierend.

 

§         Die Lernfähigkeit

Gleichgewichtssinn. Muskeltonus und optische Wahrnehmung wirken zusammen. Nur wenn das Gleichgewichtssystem richtig funktioniert, haben die Muskeln der Augen einen entsprechenden Muskeltonus. der es ermöglicht. Objekte zu fixieren. Dies ist wiederum für das Lernen von Lesen und Schreiben von größter Bedeutung.

 

 

4.2 Die Tiefensensibilität ( Propriozeption. Kinästhesie)

 

Unter der Tiefensensibilität versteht man den Spannungs- (Kraft-) und Stellungssinn. Das Organ des Spannungssinns sind die Sehnen und Muskeln in denen sich die Spannungsrezeptoren sowie Sehnen- und Muskelspindeln befinden, welche die entsprechenden Reize aufnehmen. Der Spannungssinn signalisiert Muskelspannung. Kraft des Körpers und das Gewicht von Objekten. z.B.

 

·   Empfindung für den Widerstand. gegen den wir eine Bewegung ausführen

·   Abschätzungsvermögen für das Ausmaß an Muskelkraft, das wir aufwenden müssen. um eine Bewegung durchzuführen

·   um gegen einen Widerstand eine Gelenkstellung einzuhalten

·   er dient der Bewegungsregulation

·   informiert über die Stellung der Glieder zueinander

·   informiert über die Winkelstellung der Gelenke

·   die Rezeptoren reagieren auf Zug und Druck

 

Spannungs- und Bewegungssinn bestimmen in erster Linie die Motorik, d.h. unwillkürliche und willkürliche Bewegungen.

 

 

Die Tiefensensibilität hat Einfluss auf:

 

·   die Bewegung: Die T. beeinflusst den Spannungszustand des Muskels (Muskeltonus), reguliert und koordiniert Bewegungen. Sie ist damit bestimmend für Körperkoordination und Kraftdosierung.

·   Körperschema: Das Körperschema baut sich über permanente Informationen der Tiefensensibilität an das ZNS auf. Ein gut ausgebildetes Körperschema kann die Gleichgewichtserhaltung unbewusst regulieren.

·   visuelle Wahrnehmung: Die Tiefensensibilität liefert wichtige Impulse aus der Augenmuskulatur über die Form- und Raumwahmehmung.

·   Emotionen: Impulse, die durch Muskelkontraktionen erzeugt werden. wirken auf den Hypotalamus, einem Teil des Gehirns. der für den Hormonhaushalt und die Steuerung des vegetativen Nervensystems verantwortlich ist. Vermehrte Rückmeldungen aus der Tiefensensibilität fördern anscheinend einen positiven emotionalen Zustand.

 

4.3 Der Hautsinn (Taktiles System)

 

Das taktile System verteilt sich über den ganzen Körper.

Besonders sensibel sind die Mundregion und die Hände. Der Tastsinn reagiert auf mechanische Reize an den Fingerkuppen. Lippen usw. und ist kombiniert mit der Tiefensensibilität. Er signalisiert Größe, Form, Oberfläche und Konsistenzeigenschaften von Objekten.

 

Das Organ des taktilen Systems ist die Haut. Es reagiert auf mechanische Deformation und Bewegungen und signalisiert den Kontakt des Körpers mit Objekten.

Zusammen mit dem vestibulären System gehört das taktile System zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten Sinnesmodalitäten.

Taktile Informationen bilden die Basisinformationen für die Interpretation anderer Sinneseindrücke.

 

Das Taktile System ermöglicht und hat Einfluss auf:

 

·       Wahrnehmung, Interpretation von Berührungen d.h. die dem taktilen System übergeordneten Gehirnzentren kategorisieren Berührungen nach gefährlich oder ungefährlich und setzen je nach Kategorien das Abwehrsystem ein oder nicht ein  

·   die Lokalisation von Berührungen. d.h. die genaue Ortsbestimmung einer Berührung ist möglich. was z.B. zum Vermeiden von Schmerzen wichtig ist.

·   das Erkennen von Oberflächenstrukturen. d.h. die Vermittlung von differenzierten Eindrücken der Tastqualitäten z.B. weich, glatt etc.

·   die Figur-Grund-Wahrnehmung. d.h. das taktile Abheben eines Objektes vom Hintergrund.

·   Motorik: der permanente Zufluss taktiler Stimuli hat einen entscheidenden Einfluss auf die motorische Integrationsleistung des Gehirns.

·   Emotionalität und Intelligenz: Experimente und Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Mangel an Hautreizen in den ersten Lebensmonaten zu Störungen in der Emotionalität. Motorik und Wahrnehmung führt. Dies ist erklärbar. da über die Haut vielfältige Prozesse ablaufen, die der Befriedigung der Grundbedürfnisse dienen. z.B. nach Wärme, Geborgenheit. Nahrung etc. Ebenso werden Gefühle und das Urvertrauen über taktile Stimulation entwickelt.

Taktile Stimulationen tragen entscheidend zur Entwicklung der Gehirnstruktur bei und damit zur lntegrationsfähigkeit des Gehirns.

 

·       optische und akustische Wahrnehmung: Informationen des taktilen Systems tragen zur Entschlüsselung optischer und akustischer Reize bei. Fehlen diese Grundinformationen kommt es zu optischen oder akustischen Wahrnehmungsstörungen. was sich z.B. in einer jeweiligen Überbewertung äußern kann.

 

4.4 Der Gesichtssinn: (visuelles System)

 Das Organ des Gesichtssinns sind die Augen. Der Gesichtssinn signalisiert Farbe. Form. Größe. Lage. Bewegung oder Konstanz von Objekten.

In Zusammenarbeit mit dem Hautsinn wird die Oberflächenbeschaftenheit von Objekten signalisiert. Die räumliche Orientierung wird durch die Zusammenarbeit mit der Tiefensensibilität und dem Gleichgewichtssinn ermöglicht.

Bei der visuellen Wahrnehmung wirken grundsätzlich das taktile. vestibuläre und propriozeptive System zusammen. Das visuelle System steht somit in Abhängigkeit von den genannten Systemen.

Ein Teil der visuellen Wahrnehmung (einfache Formwahrnehmung und Hell-Dunkel-Sehen) ist bereits schon nach der Geburt möglich. Teilweise ist die visuelle Wahrnehmung von visuellen Stimulationen in der frühen Kindheit abhängig. Entscheidend sind aber die Entwicklung und das Zusammenwirken der genannten anderen Systeme.

 

Visuelle Wahrnehmung ermöglicht:

·   Form- und Oberflächendifferenzierung

·   Raumwahmehmung. z.B. oben - unten, links - rechts etc.

·   Bewegungs- und Richtungswahmehmung

·   Figur- Grund - Wahrnehmung

·   Wahrnehmungskonstanz. d.h. ein Gegenstand wird immer als der Gleiche identifiziert. auch wenn er eine andere Größe. Lage oder Farbe besitzt.

·   Wahrnehmung von räumlichen Beziehungen, d.h. die Fähigkeit die Lage von zwei oder mehreren Objekten in Bezug zu sich selbst und in Bezug zueinander wahrnehmen. LB. Perlen auffädeln. 7

 

4.5 Der Gehörsinn (akustisches System)

 Der Gehörsinn liegt im Innenohr in enger Nachbarschaft mit den Gleichgewichtsorganen. Er reagiert auf Schalldruckwellen und signalisiert Tone, Klänge. Geräusche, Ort, Richtung und Bewegung der Schallquelle.

Der Gehörsinn hat sich aus dem Gleichgewichtsorgan heraus entwickelt. Es besteht daher ein enger Zusammenhang zwischen vestibuiärem und akustischen System.

 

Der Gehörsinn ermöglicht und beeinflusst:

·   die Wahrnehmung von Tönen, Geräuschen und Klängen in Intensität und Frequenz.

·   Erkennen und Entfernung akustischer Signale

·   Erkennen der Bewegung von Schallquellen    -

·   Figur - Grund - Hören. was wichtig für das Sprachverständnis und die Konzentrationsfähigkeit ist.

·   Sprachentwicklung: ein differenziertes Hörvermögen. Figur - Grund - Unterscheidung. die Fähigkeit des Gehörten in die Motorik der Sprachwerkzeuge und die Sequenzbildung tragen zur Entwicklung der Sprache bei.

·   Wachheitszustand des Organismus: die akustischen Reize wirken stark auf die Formatio Reticularis (Aktivierung der Hirnrinde ), was wiederum eine Aktivierung des Organismus bewirkt.

  

5.         Die Entwicklung der Wahrnehmung

 

5.1       Die Verknüpfung der sensorischen Informationen

Bis zur Geburt ist der größte Teil der Neuronen (Nervenfasern) bereits entwickelt. Zwischen

den einzelnen Neuronen gibt es allerdings nur wenige Kontaktstellen.

Kontaktstellen zwischen den Neuronen werden als Synapsen bezeichnet.

Die Verzweigungen am Ende der Neuronen, welche die Kontakte herstellen, heißen Dendriten.

Das Wachstum des Gehirns besteht nach der Geburt im wesentlichen in der Entwicklung von

Dendriten und der Bildung von Synapsen zwischen den Neuronen.

Nimmt ein Kind Kontakt mit der Umwelt oder mit Teilen seines Körpers auf, so werden die

Nervenfaser durch die sensorischen und motorischen Impulse veranlasst, Dendriten und

Synapsen aufzubauen. Durch die Verknüpfung von Neuronen können Informationen

miteinander verbunden werden. Somit wird durch jede neue Kontaktstelle ein neues Element

zu den sensorischen Wahrnehmungen hinzugefügt und die motorischen Möglichkeiten des

Kindes erweitert.

Je größer die Anzahl der Dendriten und Synapsen ist, desto mehr Möglichkeiten hat ein

Mensch Erfahrungen zu speichern und auszuweiten, desto größer ist also sein Lernvermögen.

Damit sich Verbindungen zwischen den Neuronen bilden, müssen diese durch Reize aus der

Umwelt bzw. des Körpers angeregt werden.

"Ein sensorisches System kann sich nur dann entwickeln, wenn es den Kräften, die seine Sinnesorgane aktivieren ausgesetzt wird." (AYRES)

 

So kann sich die visuelle Wahrnehmung nur entwickeln, wenn Licht und Objekte zum

Betrachten vorhanden sind.

Dendriten und Synapsen können nicht zu jedem Zeitpunkt im Leben eines Menschen

ausgebildet werden. Bis zum 10. Lebensjahr ist die Bildung von Synapsen fast abgeschlossen.

Danach können neue sensorische Verbindungen nicht mehr so einfach aufgebaut werden.

 

5.2       Die Bedeutung des Tast- und Bewegungssinn für die Wahrnehmungsentwicklung

 Das taktile System die Gleichgewichtssinne und die Tiefensensibilität sind die ersten Sinnesorgane durch die der Mensch Informationen aufnehmen und speichern kann. So werden Tastreize ab der 8.SSW und Bewegungsreize ab der ca. 28.SSW aufgenommen und verarbeitet.

Diese Sinne stehen dem Neugeborenen zur Verfügung. Es hat somit die Möglichkeit auf die Umwelt zu reagieren und zu agieren. Sie bilden die Grundlage für die emotionale, motorische, kognitive und sprachliche Entwicklung.

Die Wahrnehmungsentwicklung geht also von diesen Sinnen aus, wie sich auch die Verknüpfung zu den anderen Sinnen von hier aus entwickelt.

 

5.3       Die Entwicklung der Wahrnehmung in Stufen (nach AFFOLTER)

 Nach dem Modell von AFFOLTER vollzieht sich die sensomotorische und die Intelligenzentwicklung in hierarchischen Stufen, die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig beeinflussen.

Eine höhere Entwicklungsstufe kann erst dann beginnen, wenn die vorhergehende Stufe sich bis zu einem gewissen Grad entwickelt hat. Die jeweils darrunterliegende Stufe entwickelt sich auch dann noch weiter, wenn die nächsthöhere Stufe den Entwicklungsprozess begonnen hat und fortführt.

Die ersten drei Stufen der Wahrnehmungsentwicklung differenzieren sich bis zum 10. Lj. Immer weiter aus. Der Grundstein für diese Ausdifferenzierung wird im 1 und 2. Lj. gelegt. Nach AFFOLTER gibt es drei Stufen der Wahrnehmungsentwicklung. PREKOP hat diese noch um zwei weitere Stufen erweitert. Bei den letzten beiden Stufen nehmen kognitive Funktionen bereits einen breiten Raum ein.

6.Die Modalitätsstufe  0-3. Lebensjahr

 Diese Stufe ist in den ersten drei Lebensmonaten eines Kindes vorherrschend. Das Kind verarbeitet hauptsächlich durch die einzelnen Sinnesfunktionen.

Das Kind kann so die einzelnen Qualitäten der Sinnesreize analysieren und eindeutig bestimmen, z.B. die Oberflächenbeschaffenheit eines Gegenstandes.

Das Kind entwickelt innerhalb der Modalitätsstufe die Verhaltensweisen aufmerken - fixieren - verweilen" bezogen auf die einzelnen Sinnesbereiche (Sinnesmodalitäten ) sehen, hören und taktil-kienästhetischer Bereich.

Bsp.: Taktil-kienästhetischer Bereich: innehalten - greifen - abtasten. -> sich im Bezug erleben -passiv - aktiv

Im allgemeinen werden die Eindrücke aus den einzelnen Sinnesbereichen nur wenig miteinander verknüpft. Kommt es jedoch zu einer Verbindung, so geht diese vom Taktil-kienästhetischen Bereich aus. So wird das Greifen durch Berührung ausgelöst, erst später durch das Sehen mit den Augen.

 

7. Die lntermodalitätsstufe:

 Diese Entwicklungsstufe herrscht vor zwischen dem 3. und 8. Lebensmonat. Auf dieser Stufe entstehen zahlreiche Verbindungen zwischen den einzelnen Sinnesmodalitäten (--inter­modal) , d.h. es entsteht eine bessere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Wahrnehmungsbereichen.

Die Verbindungen gehen in erster Linie vom Tast- und Bewegungssinn aus. Ziel dieser Stufe ist es. jeden Wahrnehmungsbereich so oft wie möglich mit den jeweiligen Anderen zu verbinden. Ob diese Verknüpfungen stattfinden, ist weitgehend von Anregungen aus der Umwelt abhängig. So verhilft der enge Kontakt zwischen Mutter und Kind nach der Geburt zu einer vielfältigen Stimulation des Nervensystems des Säuglings.

Das Verhalten des Kindes lässt sich folgendermaßen beschreiben: es versucht Gegenstände mit allen Sinnesorganen zu erfassen, d.h. Augen, Hände, Ohren und Mund werden gleichzeitig an einem Objekt eingesetzt.

Der Tast- und Bewegungssinn wird zum Vermittler zwischen visueller Beobachtung und motorischer Aktivität. Das Greifen wird jetzt durch das Sehen ausgelöst.

Der Tast- und Bewegungssinn verhilft dem Kind zu einer Vielfalt von Bewegungsmustern und durch deren Wiederholung zum Lernen.

Das Kind lernt nun auch Übertragungen zu leisten, d.h. verschiedene Tätigkeiten werden an dem Gegenstand ausprobiert z.B. klopfen, schütteln, reiben etc.

 

8. Die Serialstufe:

 Die dritte Stufe der Wahrnehmungsentwicklung beginnt etwa im Alter von acht Monaten. Auf dieser Stufe erfolgt die Integration von Informationen in zeitliche Dimensionen und die Ordnung der Informationen durch Gesetzmäßigkeiten.

Dadurch lernt das Kind Erwartungshaltungen zu bilden und die Vorstellungskraft beginnt. Es probiert nun eine vertraute Tätigkeit an vielen Gegenständen aus.

Das Kind entwickelt Verständnis für die Serie einer Handlung. d.h. eine Reihenfolge von Erfahrungen. Das Kind hört z.B. den Schlüssel im Türschloss und freut sich, weil es weiß, dass der

Vater gleich hereinkommt.  (Wenn ... Dann - Beziehungen)

Wiederholt sich eine Tätigkeit mehrmals, kann es sich zum Beginn einer Serie vorstellen, was als nächstes kommt und versucht dies Erwartete auszulösen. (z.B. bei,, Hoppe Reiter") Andererseits kann es sich auch eine unerfreuliche Situation vorstellen und reagiert mit Weinen, z.B. die Mutter zieht den Mantel an, das Kind begreift, dass sie weggeht.

Durch die Entwicklung der Vorstellungskraft kann nun das Kind auch Bewegungen nachahmen, die es an sich weder sieht noch hört, z.B.,, Wie groß bist Du?". Große Bedeutung haben seriale Leistungen bei der Sprachentwicklung. So stellt das bloße Nachahmen von Silbenverdopplungen bereits eine seriale Leistung dar, auch wenn das Kind noch keinen Inhalt damit verbindet. Sprechen und Sprache, d.W. das Aneinanderreihen von Lauten und Verknüpfen mit Lauten einer bestimmten Bedeutung stellen seriale Leistungen dar.

Auch die Formulierung eines grammatikalisch richtigen Satzes stellt eine seriale Leistung dar.  Gleiches gilt für das Lesen und Schreiben.

Auch komplexere Bewegungsabläufe wie Tanzen oder Schwimmen stellen seriale Leistungen dar, da das Kind die Reihenfolge der Bewegungen aufnehmen, speichern und in die Motorik übertragen muss.

 

9. Die Intentionalstufe:

 Im den 11. Lebensmonat herum beginnt die lntentionalstufe. Die einzelnen Sinnesfunktionen sind nun soweit ausgereift, dass sie das wahrgenommene zuverlässig in die Vorstellungskraft übertragen

Das Kind erforscht mit seinem Körper gegenständliche Widerstände d.h. vor allem Löcher, Spalten etc. werden untersucht und gefüllt. So werden z.B. Sachen ein- und ausgeräumt.

Das Kind entwickelt die sog. Taktile Kontrolle d.h.:

 

·         es lernt seine Kraft angemessen zu dosieren

·         die Koordination von zwei oder mehr Bewegungsmustern ist möglich

·         es kann die Richtung einer Bewegung genau einhalten

·         die Koordination beider Hände wird möglich

·         es kann eine Beziehung zwischen zwei Gegenständen herstellen

 

Das Kind lernt so zwischen sich selbst und der Umwelt zu unterscheiden und eine konzentrierte

Auge Hand - Koordination durchzuführen.

Es kann nun ohne optische und akustische Kontrolle unvertraute Bewegungen nachahmen. Auch die Körpersprache anderer Menschen, z.B. deren Mimik kann bewusst nachgeahmt werden.

Das Kind lernt sich so in andere Personen hineinzufühlen und entwickelt Interesse für die

Gefühle anderer.

Die optische Erfassung übernimmt nun die führende Rolle und löst damit den bisher, vorherrschenden Tast- und Bewegungssinn ab.

Das Kind lernt nun zielgerichtetes Denken, Handeln und Sprechen.

 

10. Symbolstufe : ab 18. Monat Beginn des Denkens

 

11. Störungen in der Wahrnehmungsentwicklung

 Nach M. Pfluger - Jakob ist unter einer Wahrnehmungsstörung eine Störung der sinngebenden Verarbeitung von Reizen zu verstehen. Die Sinnesorgane sind dabei voll funktionsfähig.

Nach Ayres sind Wahrnehmungsstörungen immer ein Ausdruck eines mangelhaften Zusammenspiels  der einzelnen Hirnbereiche. Ayres bezeichnet dies als Integrationsstörung.

 

11.1 Die Entstehung von Wahrnehmungsstörungen

 Nach heutigem Forschungsstand gibt es für Wahrnehmungsstörungen bzw. lntegrationsstörungen zwei Ursachen:

a.       Eine frühkindliche Hirnschädigung während oder nach der Geburt durch Sauerstoffmangel, Blutungen, Infektionen, genetische Disposition etc. Durch diese Schädigungen sind die Gehirnstrukturen in ihrem strukturellen Aufbau und / oder ihrer biochemischen Funktionsweise derart verändert, dass die funktionellen Hirnorgane, die sich dieser Hirnstrukturen bedienen mangelhaft oder verzögert reifen.

 

b.       Erfahrungsmangel: daraus ergeben sich zwei Ursachen. Zum einen kann es dem Kind aufgrund einer schweren Körperbehinderung unmöglich sein, sich selbst genügend Reize zuzuführen. Zum anderen kann es durch Vernachlässigung oder Überbehütung daran gehindert werden, genügend Erfahrungen zu sammeln. Hemmend erweisen sich für das Kind auch ständig neue Situationen oder Personen, auf die es sich einstellen muss.

 Die Störungen in der Reizverarbeitung können z.B. dadurch entstehen, dass die Synapsen die Reize nicht genügend weiterleiten oder die Bahnung und Hemmung bestimmter Reize nicht ordnungsgemäß stattfindet.

Wie schon öfters erwähnt, bildet das taktil-kienästhetische System die Grundlage für die Wahrnehmungsentwicklung. Zeigt dieses Fundament Störungen, so wirkt sich das natürlich auf alle anderen Stufen aus. Auch in diesen zeigen sich dann Störungen, die ihre Wurzeln allerdings immer in einer darrunterliegenden Stufe haben.

Für therapeutische Maßnahmen bedeutet das, dass mit der Therapie da angesetzt werden muss, wo die Störung ihre Wurzel hat. Ansonsten würde man lediglich Einzelleistungen einüben, die nicht auf andere Bereiche übertragen werden können.

  

12.       Beispiele für Wahrnehmungsstörungen

 Im folgenden können lediglich ein paar Beispiele herausgegriffen werden:

 

12.1 Störungen auf der Modalitätsstufe:

Störungen auf der Modalitätsstufe können immer eine oder mehrere Sinnesbereiche (Modalitäten) zugleich betreffen. Führt man sich vor Augen, welchen Einfluss die einzelnen Modalitäten auf bestimmte Fähigkeiten des Menschen haben, so wird deutlich, was eine Störung einer bestimmten Modalität bedeuten kann, u.U. wirkt sie sich auf alle anderen Entwicklungsstufen aus.

So ermöglicht z.B. der Hautsinn die genaue Lokalisation eines Berührungsreizes. Ist der Hautsinn gestört, so ist die Lokalisation nicht möglich. Das Kind kann unangenehme Reize nicht lokalisieren und damit dagegen auch nichts wirksames unternehmen. Als Folge davon kann das Kind vermehrte Angst, Unsicherheit und häufige Abwehrreaktionen zeigen.

Eine Störung des Gleichgewichts kann die Folge haben, dass ein Kind Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Zeichnen hat.

Ein Erkennungsmerkmal für Störungen der Modalitätsstufe im Säuglingsalter kann sein, dass der Säugling die Verhaltensweisen ,, aufmerken - fixieren - verweilen" nur ungenügend entwickelt hat.

 

12.2 Störungen auf der lntermodalitätsstufe

Störungen auf dieser Stufe sind dadurch gekennzeichnet, dass modale Leistungen erbracht werden, die Verbindungen zwischen den einzelnen Sinnesmodalitäten allerdings ungenügend sind.

 Symptome können sein:

·         eine mangelnde Auge - Hand - Koordination

·         fehlende Sprache

·         mangelndes Nachahmungsverhalten                                                           

·         mangelhafte Figur - Hintergrund - Unterscheidung

·         gebärden- und mimikarmer Ausdruck

·         die Unfähigkeit, Gegenstände auf Bildern zu erkennen

 

 Bei älteren Kindern können sich intermodale Störungen folgendermaßen ausdrücken:

·         auditiv wahrgenommene Laute können nicht mit dem entsprechenden Schriftzeichen verbunden werden

·         normal Gesehenes oder Gehörtes kann nicht auf ein motorisches Programm übertragen werden

·         dem Kind fällt es generell schwer, Erfahrungen aus einem Lernbereich auf einen anderen zu übertragen.

 Intermodal gestörte Kinder sind auffallend ängstlich in fremder Umgebung und versuchen die

Umwelt möglichst gleichbleibend zu erhalten. Sie zeigen daher oft zwanghaftes Verhalten

und Stereotypien.

Einer Theorie zufolge können extreme intermodale Störungen, die Ursache für autistisches

Verhalten sein.

 

12.3 Störungen der Serialstufe

Von Störungen der Serialstufe können alle Sinnesmodalitäten gleichzeitig betroffen sein oder in verschiedenen Kombinationen in verschiedenen Ausprägungsarten.

 

Symptome für seriale Störungen (nach Affolter)

     ·         die Kinder können nicht warten

·         wollen immer zuviel auf einmal

·         konzentrieren sich scheinbar schlecht

·         geraten bei Schwierigkeiten leicht in Panik

·         die Sprache ist verstümmelt oder gar nicht vorhanden

·         Versagen bei Nachahmungsleistungen oder diese erscheinen mit Verzögerungen

·         gestörtes Sprachverständnis

 

Was andere Kinder durch Nachahmung spielerisch lernen, muss das serialgestörte Kind

bewusst und mühevoll einüben.

In seinem Spielverhalten bleibt es längere Zeit in der Phase des Manipulierens. Es räumt gern

Dinge aus, ohne etwas sinnvolles damit zu tun.

Das Spielverhalten des Kindes wirkt unstet, sprunghaft und wenig phantasievoll.

Das Kind verliert schnell das Interesse an einem Spielzeug, da es keine geordneten

Handlungsabläufe entwickeln kann.

Es hat kein Interesse an Bilderbüchern, da es die Zusammenhänge nicht erkennt und das

Betrachten einzelner Bilder es geistig unterfordert.

Serialgestörte Kinder spielen oft stundenlang mit denselben Dingen, ohne deren Funktionen

zu variieren.

 

Bei älteren serialgestörten Kindern zeigen sich folgende Symptome:

·   sie bevorzugen wilde Bewegungsspiele oder konzentrieren sich auf das Sammeln von Gegenständen

·   sie zeigen allgemein Störungen bei Tätigkeitsabfolgen z.B. beim Basteln. Turnübungen, im Erzählen von logischen Abfolgen, im Erkennen von Sequenzen

·   sie zeigen ein ungenügendes Selbstorganisationsvermögen

·   Probleme beim Planen und bei sinnvoller Zeiteinteilung

·   Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen

 

 

Begriff der schwersten Behinderung

 

·      komplexe Beeinträchtigung des ganzen Menschen in all seinen Erlebens- und Ausdrucks bereichen

·      emotionale, kognitive, körperliche. sowie soziale und kommunikative Fähigkeiten sind erheblich eingeschränkt oder verändert

·      stellt eine Beeinträchtigung aller beteiligter lnteraktionspartner dar, die elementare Begegnung zweier Menschen wird erschwert

 

Einige Kombinationsmöglichkeifen:

         ·   sehr schwere geistige Behinderung verbunden mit leichten bis schweren motorischen Beeinträchtigungen

·   sehr schwere körperliche Behinderung verbunden mit unterschiedlich schwerer geistigen Behinderung

·   Stoffwechselerkrankungen, die schwere körperliche und geistige Behinderungen (u. U. fortschreitend) nach sich ziehen

·   Organ-. Muskel- und Skelettschäden, die sich fortschreitend verändern können

 

Zusätzlich können auftreten:

     ·         Anfallsleiden

·         Sinnesschädigungen

·         Verhaltensstörungen wie Autismus. Autoaggression, Hospitalismus

·         Daraus resultiert ein lebenslanges Angewiesensein auf intensive Betreuung

·         (Körperpflege, Anleiden, Nahrungsaufnahme etc.)

·         eine Kommunikation mit konventionellen Systemen (Sprache, Symbole) scheint nicht möglich

·         kognitive Leistungen (Verstehen. Problemelösen. Lernen) können nicht beobachtet werden

·         die Hände werden nicht als Werkzeug eingesetzt (Spielen, Erkunden, Manipulieren)

·         eine selbständige aufrechte Haltung kann nicht eingenommen werden

·         das Leben im Hier und Jetzt scheint jeden Zukunftsbezug vermissen zu lassen

 

Gemeinsame menschliche Basiselemente:

        

·   sie nehmen andere Menschen durch Haut- und Körperkontakt wahr

·   sie können mit ihrem Körper unmittelbar Erfahrungen sammeln und bewerten

·    sie erleben sich selbst, Menschen und Dinge in unmittelbarer emotionalen Betroffenheit

·    sie benutzen ihre gesamte Körperlichkeit. um sich auszudrücken und mitzuteilen

 

Diese Basiselemente werden auch von uns trotz unserer sog. höheren Funktionsmöglichkeiten erfüllender, echter und beständiger erlebt.

Dies zeigt sich vor allem in unserem Umgang mit Kindern, im Austausch zwischen Liebenden, in emotional aufwühlenden Situationen. Z.B. bei Trauer etc.

 

Was brauchen sie?

·   sie brauchen viel körperliche Nähe, um direkte Erfahrungen zu machen

·   sie brauchen Menschen, die ihnen Fortbewegung und Lageveränderungen ermöglichen

·   sie brauchen Menschen, die sie zuverlässig pflegen und versorgen. sie auch ohne Sprach verstehen

 

Als Kind, als alter oder als kranker Mensch nähern wir uns diesem Personenkreis sehr stark an.

  

Symptome bei Störungen der Sensorischen Integration (der Wahrnehmung)

 

Bei einer Störung der Sensorischen Integration ist das Gehirn nicht in der Lage. den Zustrom sensorischer Informationen so zu verarbeiten und zu ordnen, daß das betroffene Individuum eine brauchbare Information über sich selbst und die Umwelt erhält. (AYRES)

Ohne eine gut funktionierende sensorische Integration fallen Lernprozesse schwer und das betreffende Individuum fühlt sich des öfteren unzufrieden mit sich selbst und kann nicht entsprechend mit alltäglichen Forderungen oder Stresssituationen fertig werden. (Bsp. Stadt -Verkehr)

 

Hirnschädigungen führen ebenfalls zu einer schlechten sensorischen Verarbeitung. Bei den meisten Kindern mit Störungen der Sensorischen Integration besteht wahrscheinlich kein Schaden in der Struktur des Gehirns. (Bsp. Straßenschäden, Verdauungsstörung) Als Ursache von Störungen der SI werden minimale Hirnfunktionsschäden angenommen. Beim geistigbehinderten Kind können die motorischen Fähigkeiten besser ausgebildet sein, als seine Fähigkeiten etwas zu verstehen oder zu lernen.

Kinder mit Störungen der SI besitzen oft normale Intelligenz, zeigen aber Schwierigkeiten bei der motorischen Planung und Koordination.

Kinder mit geistiger Behinderung zeigen jedoch ebenfalls Symptome von Störungen in den jeweiligen Wahrnehmungsbereichen. die nicht in Abhängigkeit von neuromuskulären Schäden wie zB. den Cerebralparesen stehen.

 

Bei Menschen mit geistiger Behinderung verwenden wir besser den Begriff der,, Wahrneh­mungsstörungen" , da sich der Begriff der.. Sensorischen Integration" auf Kinder mit Wahrnehmungsstörungen bei in der Regel durchschnittlicher Intelligenz bezieht.

 

Symptome bei Störungen des vestibuläre Systems:

 

Überempfindlichkeit:

     ·   unzureichende Hemmung, dei Reize kommen zu stark an

·   Tonus eher schlaff. häufig Überstreckung um Bewegung zu vermeiden oder den Kopf ruhig zu halten

·   Erleben von Reizüberflutung und Bedrohung

·   Kinder sitzen oder stehen oft in breiter Basis. z.B. Fersen sitz. vermeiden aus dieser Position herausgeholt zu werden

·   Schwierigkeiten. das Gleichgewicht zu halten, z.B. Angst beim Treppenhinuntergehen. schaukeln, unebenen Böden etc.

·   werden bei Drehung oder Schaukelbewegung oft schwindelig. häufig auch Reisekrankheit

·   fühlen sich wohler. wenn sie beim Sitzen Kontakt mit dem Boden halten können

·   fühlen sich in großen Räumen oder im Freien ängstlich, suchen Anhaltspunkte. z.B. Ecken, Nischen. gehen im Rinnstein wie in einer Spur

·   können im Stehen nicht die Augen schließen

·   ängstliche, verunsicherte Kinder

·   kompensieren viel über Reden

·   oft gute feinmotorische Fähigkeiten, kaschieren so ihre Bewegungsangst

·   manipulieren gerne andere oder geben ihnen Aufträge. um selbst Bewegung zu vermeiden

·   oft Tendenz zu verweigern im körperlichen Ausdruck oder verbal

·   suchen gerne Kontakt zu älteren Kindern (sind berechenbarer) oder alten Menschen (sind langsamer)

·   klagen häufig über Lautstärke und Geschwindigkeit

Unterempfindlichkeit:

·   verarbeitet zu wenig Bewegungsreize. gleicht dies durch viel Bewegung aus (,,Zappelphillip")

·   werden nur selten oder gar nicht schwindelig, vertragen unendlich viel an Schaukel- und Drehbewegungen (auch Schaukel- und Wedelstereotypien

·   Tonus oft stark wechselnd, z.B. am Tisch schlaff, in der Bewegung überspannt

·   gezielte Bewegungen sind eher mühsam (Feinmotorik)

·   bilaterale Koordination ist oft gestört (Handwechsel)

·   fehlende Schutzreaktionen, wenig Gefahrenbewusstsein,

·   Höhen, Entfernungen können nicht richtig eingeschätzt werden, Hang zur Waghalsigkeit

·   wechseln schnell Stimmungen, Handlungen. Ideen

·   können schlecht warten, bremsen, stören

·   können sich schlecht an Regeln halten (ausflippen)

·   bei zuviel Materialangebot oft Chaos

·   spielen lieber draußen (rennen, toben, schaukeln>

·   in der Gruppe oft sehr auffällig, hektisch

·   suchen oft Kontakt zu anderen unruhigen Kindern

·   sind oft zu laut. zu hektisch

·   weichen konkreten Anforderungen oft aus

·   oft Figur - Grundschwierigkeit (akustisch, visuell

·   Grundstimmung eher fröhlich

 

Diese Kinder helfen sich im Prinzip selbst durch viele Angebote, die sie sich holen, sind jedoch schwer ertrag bar für die Umwelt

  

Symptome bei Störungen des Taktilen Systems:

 

Überempfindlichkeit:

(Taktile Abwehr)

 

·   vermeiden Berührung, vor allem Gesicht. Haare. Nägel

·   können bestimmte Kleidung nicht ertragen

·   starke Abneigung gegenüber Plüsch, Samt. Fell. Watte etc.

·   bevorzugen kompakte Materialien wie Holz. Plastik

·   vermeiden feuchte. nasse. klebrige. schmutzige Finger

·   Haut blass. empfindlich. rötet sich leicht, gelegentliches Auftreten von Allergien

·   verzögerte Feinmotorik wegen Materialscheue

·   vermeiden barfuss zu gehen

·   lassen sich nicht gerne ausziehen

·   Kleidung darf nicht zu eng und zu weit sein

·   Kinder entwickeln oft Eigenheiten, Rituale. Ordnungszwänge

·   Kinder,, fahren oft aus der Haut" , Wut-, Schreianfälle

·   Kinder hätten gerne Kontakt. können es aber nicht aushalten

·   schmusen kaum, kommunizieren eher verbal

·   empfindlich gegenüber Temperaturwechseln

·   überempfindlicher Geruchssinn

·   besonders empfindlich gegenüber hohen Tönen. leichten Geräuschen

·   verminderter oder unausgeglichener Muskeltonus

·   beeinträchtigte Aufmerksamkeit und Konzentration

·   Kinder sind oft unruhig. gereizt. verwirrt, zerstreut. unbeherrscht. laufen weg. weichen aus. sind kribbelig. kratzen, beißen. sind übertrieben in ihren Reaktionen oder sind stumm. steif, ziehen sich zurück

·   sie sagen häufig. das mag/kann/will ich nicht

·   Kinder sollen sich am besten selbst mit Material stimulieren, vertragen das besser, (man kann sich selbst auch nicht kitzeln)

 

Symptome bei Störungen (der Tast-) und Tiefensensibilität:

 

Unterempfindlichkeit:

     ·   Schwierigkeiten bei der Dosierung und Planung von Bewegungen

·   Tonus eher schlaff, Gelenke lassen sich überdehnen

·   unempfindlich gegenüber Druck und Berührung

·   oft träge, tollpatschig, stoßen häufig etwas um

·   gestörte Kraftdosierung. immer zu fest

·   suchen sich starke Körperreize. fragen gerne schwere Dinge, oft Autoaggressionen

·   lassen sich manchmal fallen, um sich besser zu spüren

·   basteln, malen nicht gerne, da sie ungeschickt sind, unbeholfen, unsicher

·   verfügen über wenig automatisierte Bewegungen, einzelne Schritte müssen immer wieder neu geplant werden

·   schlechtes Bewegungsgedächtnis

·   haben kaum eigene Ideen, lassen sich gerne helfen

·   Kinder hören scheinbar schlecht zu, haben Probleme verbale Anweisungen umzusetzen

·   als Folge der Unterempfindlichkeit gestörtes Körperschema

·   Probleme mit Verschlüssen, Knöpfen etc.

·   Probleme mit der Reihenfolge der Kleidung

·   essen oft unsauber, bevorzugen die Finger

·   reagieren überempfindlich auf Kritik, Anforderungen

·   oberflächliche Verletzungen werden intensiver erlebt als tiefergehende

·   schlechtes Temperaturempfinden

·   Rollenspiele sind kaum möglich

·   mangelhafte oder kaum Nachahmung von Stellungen und Bewegungen

·   es fällt ihnen schwer, Ordnung zu halten

·   rauren, zerstören gerne

·   oft dröhnender, stampfender Gang

 

DYSPRAXIE: alle Symptome wie bei Störung der Tiefensensibilität. jedoch in der Ausprägung

extremer. Es sind mehr Bereiche als nur die Tiefensensibilität betroffen.

·   oft keine nachahmenden Bewegungen möglich

·   stoßen sich oft an Möbeln an

·   es kann nicht mehr abgeschaut werden, keine visuelle Kontrolle

·   manchmal Plan vorhanden, aber motorische Umsetzung gestört, manchmal beide Bereiche gestört

·   Kinder setzen oft Dinge in Bewegung, die einen großen Effekt hervorrufen. z,B. Lichtschalter oder Kassettenrecorder ( durch einfachen Knopfdruck große Wirkung erleben)

·   bei Aufregung etc. patscht oder schlägt das Kind gegen Möbel. Böden, Wände. seine Beine etc.

·   durch Stampfen oder Schaukeln Tonuserhöhnung möglich

 

APRAXIE: Ausfall

a)  in der Feinmotorik: LB. Schwierigkeiten isolierte Bewegungen durchzuführen, Finger zu unterscheiden. Die Feinmotorik ist vom Tastsinn mehr abhängig als von der Tiefensensibilität.

b)  in der Grobmotorik: Körperstellungen können nicht automatisch eingenommen werden. daher Schwierigkeiten. sich auf zwei Tätigkeiten wie Handeln und Halten gleichzeitig zu konzentrieren.